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BDL | 05.02.2026

Der Luftfrachtstandort Deutschland verliert im internationalen Wettbewerb den Anschluss – mit negativen Folgen für Industrie, Logistik und Luftverkehrswirtschaft. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) und der DSLV Bundesverband Spedition und Logistik fordern anlässlich des heutigen Branchengesprächs Luftfracht einen Rückbau von überdurchschnittlich hohen Standortkosten, Bürokratie und nationalen Sonderwegen bei der Regulierung.

Wie kann der Luftfrachtstandort Deutschland im internationalen Wettbewerb wieder zur Weltspitze aufschließen – und damit die Anbindung der deutschen Wirtschaft an ihre internationalen Märkte sicherstellen? Diese Frage steht im Mittelpunkt des heutigen Branchengesprächs Luftfracht im Allianz-Forum in Berlin. Ranghohe Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Logistik diskutieren, wie bestehende Standortnachteile abgebaut werden können. Schließlich ist Luftfracht ein strategischer Faktor für Wertschöpfung, Resilienz, Versorgungssicherheit und industrielle Wettbewerbsfähigkeit.

Anlässlich des Branchengesprächs hat der BDL eine neue Studie zur wirtschaftlichen Bedeutung der Luftfracht vorgelegt. Die aktuellen Zahlen unterstreichen die strategische Rolle des Verkehrsträgers. Im Handel mit Drittstaaten, bei denen das Flugzeug aufgrund großer Entfernungen eine besondere Rolle spielt, wurden im Jahr 2024 rund ein Viertel des gesamten Außenhandelsvolumens – etwa 290 Milliarden Euro – per Flugzeug transportiert.

Der durchschnittliche Warenwert einer Tonne Luftfracht lag bei 147.183 Euro. Damit bleibt Luftfracht mit Abstand der Verkehrsträger mit der höchsten Wertdichte. Die wichtigsten per Luftfracht exportierten Warengruppen spiegeln die Stärken der deutschen Industrie wider: hochwertige elektrische und elektronische Geräte, Maschinen, Mess- und Präzisionsinstrumente, Medizintechnik sowie pharmazeutische Erzeugnisse.

Weltweites Wachstum der Luftfracht geht an Deutschland zunehmend vorbei
Gleichzeitig zeigt die Untersuchung eine besorgniserregende Entwicklung: Der Luftfrachttransport von und nach Deutschland im Handel mit Drittstaaten ist in den vergangenen Jahren auf knapp 2,0 Millionen Tonnen im Jahr 2024 zurückgegangen. Zu Anfang der 2010er-Jahre wurden dagegen regelmäßig rund 2,5 Millionen Tonnen per Luftfracht bewegt.

Während die Luftfracht international ein dynamischer Wachstumsmarkt ist, geht diese Entwicklung zunehmend an Deutschland vorbei. Das gefährdet die engmaschige Anbindung der deutschen Wirtschaft an ihre internationalen Märkte. Als zentrale Ursachen identifizieren die Verbände stark gestiegene staatliche Standortkosten sowie zusätzliche bürokratische Anforderungen bei der Umsetzung von EU-Vorgaben, die den Standort im internationalen Vergleich unattraktiver machen.

BDL-Marktstudie 2026 - Bedeutung der Luftfracht für die deutsche Industrie

Dr. Joachim Lang, Hauptgeschäftsführer des BDL, erklärt: „Luftfracht ist das logistische Rückgrat einer global vernetzten Volkswirtschaft wie in Deutschland. Unsere Airlines und Drehkreuze können Spitzenleistungen erbringen – dafür brauchen sie aber wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen. Wenn staatliche Kosten und nationale Sonderwege weiter aus dem Ruder laufen, drohen dauerhaft Verkehre und Wertschöpfung ins Ausland abzuwandern.“

Holger Lösch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des BDI, betont die Bedeutung für die Industrie: „Für den Transport hochwertiger und zeitkritischer Industrieprodukte ist Luftfracht unverzichtbar. Sie sichert die Anbindung der deutschen Industrie an globale Märkte und damit die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen. Deutschland darf nicht den Anschluss verlieren, sonst drohen weitere Standortnachteile mit negativen Folgen für Investitionen und Beschäftigung.“

Frank Huster, Hauptgeschäftsführer des DSLV, verweist auf die Perspektive der Logistik: „Speditionen sind die Architekten des deutschen Exporterfolgs. Sie orchestrieren internationale Luftfrachtlieferketten – vom Werkstor über die Startbahn bis zum Empfänger. 98 Prozent der Luftfrachtexporte im Wert von rund 290 Milliarden Euro werden in ihrer Organisationszuständigkeit abgewickelt – einschließlich Dokumentenabwicklung, Verzollung, Vor- und Nachlauf. Deutschland erfüllt mit seiner zentralen Lage und dem dichten Verkehrsnetz alle Voraussetzungen für leistungsstarke Luftfracht-Hubs. Doch Luftfrachtspeditionen weichen auf ausländische Flughäfen aus. Um diesen Trend umzukehren und Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern, müssen die hausgemachten Standortnachteile konsequent beseitigt werden.“

Beim Branchengespräch Luftfracht sprechen neben Vertretern aus Industrie, Logistik und Luftverkehrswirtschaft auch Vertreter der Bundesregierung. Die Verbände setzen auf gemeinsame Lösungen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts nachhaltig zu stärken.

Mit dem Branchengespräch Luftfracht wollen BDI, BDL und DSLV gemeinsam mit Politik und Wirtschaft aufzeigen, wie der Luftfrachtstandort Deutschland wieder zur Weltspitze aufschließen kann – und damit seine Rolle als logistisches Rückgrat der exportstarken deutschen Wirtschaft weiterhin zuverlässig erfüllt. Dafür sind wettbewerbsfähige Kostenstrukturen, praxistaugliche Regulierung und ein verlässlicher politischer Rahmen erforderlich. Dies betrifft insbesondere die Themenfelder staatliche Standortkosten, Luftsicherheit, Zoll, Betriebszeiten und Einfuhrumsatzsteuer.

Die Positionspapiere der Verbände sind unter folgenden Links als PDF-Datei abrufbar:
BDI: Handlungsempfehlungen für den Luftfahrtstandort Deutschland
BDL: Starke Luftfracht für eine starke deutsche Wirtschaft
DSLV: Maßnahmenplan Luftfracht

Kontakt
Alexander Klay
Pressesprecher
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. 
+49 30 520077-165
Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft e. V. (BDL)
Haus der Luftfahrt / Friedrichstraße 79 / 10117 Berlin / www.bdl.aero 

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