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BDL | 18:02.2026

BDL legt Jahreszahlen 2025 vor. Hauptgeschäftsführer Dr. Joachim Lang: „Abstand zu europäischen Nachbarn wird in diesem Jahr noch größer – ernstes Warnsignal für internationale Anbindung unseres Wirtschaftsstandortes“

Der Luftverkehr in Europa ist im zurückliegenden Jahr 2025 weiter dynamisch gewachsen. Dagegen hat Deutschland weiter an Boden verloren. Während in den meisten europäischen Ländern heute mehr geflogen wird als vor der Corona-Pandemie, lag das Luftverkehrsangebot ab Deutschland auch im Jahr 2025 deutlich unter dem Vorkrisenniveau. Die Kluft zwischen Deutschland und dem restlichen Europa wuchs auf 19 Prozentpunkte (Vorjahr: 18%p). Das zeigen die an diesem Mittwoch vom Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) vorgelegten Jahreszahlen. Die im November von der Bundesregierung auf den Weg gebrachten Entlastungen, etwa bei der Luftverkehrsteuer, sind zwar ein erster Schritt in die richtige Richtung. Damit Deutschland am Boom des Luftverkehrs in Europa teilhaben kann, müssen aber weitere Maßnahmen folgen.
 
Zwar stieg die Zahl der Passagiere an den deutschen Flughäfen im vergangenen Jahr leicht um 3,6 Prozent auf rund 219,6 Millionen. Das Angebot am Luftverkehrsstandort Deutschland erreichte jedoch nur rund 89 Prozent des Niveaus von 2019. Europa hat die Erholungsphase nach der Pandemie dagegen längst abgeschlossen: Das durchschnittliche Sitzplatzangebot wuchs auf 106 Prozent des Vor-Corona-Wertes – ohne Deutschland sogar auf 108 Prozent. Deutschland gehört damit erneut zu den Schlusslichtern bei der Entwicklung des Luftverkehrs in Europa.
 
„Während in Europa so viel geflogen wird wie nie zuvor, bleibt Deutschland weiter abgekoppelt vom Luftfahrt-Boom“, sagte BDL-Hauptgeschäftsführer Dr. Joachim Lang anlässlich der Vorstellung der Zahlen. „Der Abstand zu unseren europäischen Nachbarn wird auch in diesem Jahr größer – das ist ein ernstes Warnsignal für die internationale Anbindung unseres Wirtschaftsstandortes.“
 
Analog zu den Passagierzahlen hat sich im vergangenen Jahr das Geschäft der Bodenverkehrsdienste entwickelt. Zudem macht sich beim Travel-Retail-Markt, wozu auch die Duty-Free-Shops an den Flughäfen zählen, vielerorts die herausfordernde ökonomische Situation durch rückläufige Ausgaben pro Passagier bemerkbar.
 
Luftverkehr ab Deutschland müsste schneller wachsen, um wieder aufzuschließen
Besonders deutlich zeigt sich die Schwäche des Luftverkehrsstandorts Deutschland bei der Entwicklung des Angebots der europäischen Punkt-zu-Punkt-Airlines. Dieses Segment treibt das Wachstum in vielen Ländern, meidet Deutschland jedoch zunehmend. Das Sitzplatzangebot dieser Airlines liegt hierzulande fast 50 Prozentpunkte hinter der Entwicklung im restlichen Europa zurück. 
 
Gleichzeitig schrumpft das innerdeutsche Streckennetz weiter: Seit 2019 wurden mehr als ein Drittel der Inlandsstrecken gestrichen. Damit sind wichtige Verbindungen für die Wirtschaft und die Anbindung der dezentralen Ballungsräume an die internationalen Drehkreuze Frankfurt und München weggefallen.
 
Hauptursache für diese Entwicklung sind nach Einschätzung des BDL die weiterhin überhohen staatlichen Standortkosten. Allein im Jahr 2025 sind die Belastungen für den Luftverkehrsstandort Deutschland um 1,1 Milliarden Euro auf rund 4,3 Milliarden Euro gestiegen. „Unter diesen Bedingungen gelingt es dem deutschen Luftverkehr nicht, schneller zu wachsen als der europäische Durchschnitt – das wäre aber notwendig, um die Lücke zu schließen“, sagte Dr. Lang.
 
Die vom Koalitionsausschuss im November auf den Weg gebrachten Entlastungen, etwa bei der Luftverkehrsteuer, bewertet der BDL als richtigen ersten Schritt. „Diese Maßnahmen sind geeignet, weitere Verluste an Konnektivität zu verhindern“, sagte Hauptgeschäftsführer Dr. Lang. „Damit Deutschland aber wieder am Wachstum des boomenden europäischen Luftverkehrs teilhaben kann, müssen weitere Schritte folgen.“
 
Wie groß der Hebel staatlicher Rahmenbedingungen ist, zeigt der Blick nach Schweden. Dort wurde die Luftverkehrsteuer Mitte 2025 ersatzlos abgeschafft. Bereits direkt nach Inkrafttreten der Maßnahme zog das Angebot spürbar an: Im zweiten Halbjahr 2025 wuchs das Sitzplatzangebot auf Flügen ab Schweden gegenüber dem Vorjahreszeitraum – trotz zusätzlicher Belastungen durch den Marktaustritt einer bedeutenden regionalen Fluggesellschaft. Im Dezember 2025 war das Angebot schon 8 Prozent größer als ein Jahr zuvor.
 
„Das Beispiel Schweden belegt eindrucksvoll, wie schnell eine Verbesserung der Rahmenbedingungen zu neuem Wachstum führen kann“, sagte Dr. Lang. „Wenn Deutschland seine internationale Anbindung sichern und ausbauen will, brauchen wir ein wettbewerbsfähiges Kostenniveau, damit Airlines wieder investieren und Deutschland vom Luftfahrt-Boom in Europa profitieren kann.“
 
Darüber hinaus ist es notwendig, dass sich die Bundesregierung auf europäischer Ebene für fairen Wettbewerb zwischen Fluggesellschaften mit Sitz in der EU und Drittstaaten einsetzt. Eine Ungleichbehandlung besteht etwa bei der seit 2025 vorgeschriebenen Verwendung nachhaltiger Kraftstoffe bei Flügen mit Start in der Europäischen Union. Diese belastet die heimische Luftverkehrswirtschaft einseitig. Zudem werden Emissionen nicht vermieden, sondern lediglich in andere Regionen verschoben.
 
US-Zollpolitik sorgt für Nachfragespitzen bei der Luftfracht 
Der Luftfrachtverkehr profitierte im Jahr 2025 insbesondere von Einmaleffekten. An den deutschen Flughäfen wurden insgesamt rund 4,86 Millionen Tonnen Luftfracht ein- und ausgeladen – ein Plus von 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit lag das Frachtaufkommen auch leicht über dem Niveau von 2019. Treiber dieser Entwicklung waren vor allem temporäre Nachfragespitzen infolge der US-Zollpolitik: Parallel zur Androhung neuer Zollschranken füllten Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks kurzfristig ihre Lagerflächen mit Vorprodukten und Ersatzteilen. Unterm Strich nahmen die Ausladungen an deutschen Flughäfen um 2,1 Prozent zu, die Einladungen stiegen um 1,2 Prozent.
 
Im europäischen Vergleich zeigt sich jedoch auch bei der Luftfracht, dass Deutschland seine Position als einer der führenden Logistikstandorte nicht als selbstverständlich ansehen darf. Zwar konnte der Flughafen Frankfurt 2025 seinen Titel als größter Frachtflughafen Europas zurückerobern – konkurrierende Standorte im Ausland holen jedoch weiter auf. Europaweit stieg das Frachtaufkommen 2025 um 2,9 Prozent, global sogar um 3,4 Prozent. 
 
„Wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen sind auch für die Luftfracht entscheidend“, betonte BDL-Hauptgeschäftsführer Dr. Lang. „Wenn Deutschland seine Rolle als zentrale Drehscheibe für globale Lieferketten sichern will, müssen die Standortkosten und weitere Rahmenbedingungen auch in diesem Segment dauerhaft auf ein internationales Wettbewerbsniveau gebracht werden.“
 
 
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Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) wurde 2010 als gemeinsame Interessenvertretung der deutschen Luftverkehrswirtschaft gegründet. Mitglieder des Verbandes sind Fluggesellschaften, Flughäfen, die Deutsche Flugsicherung und weitere Leistungsanbieter im deutschen Luftverkehr.

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